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BRUMMELKAMP – Artenvielfalt ohne viel Aufsehen

Sommer ist, wenn die Sonne scheint, es summt, brummt und Wassermelonen gibt. Dafür muss man gar nicht weit in den Süden fahren. Ein paar Kilometer hinter Lüneburg liegen das beschauliche Bienenbüttel und der Hof Brummelkamp – fast genauso gut versteckt wie die Melonen auf dem Acker. Vor drei Jahren wurde auf dem Hof damit begonnen zu experimentieren, aus Freude an der Artenvielfalt und in Hinblick auf die heißen Sommer. Aber selbst nach einem bescheidenen oder, wohl treffender gesagt, normalen Sommer wie diesem, ist die Ernte reichlich. Und vor allem gut!

Die Melonenpflanzen, die artverwandt mit Kürbisgewächsen sind, zeigen sich genügsam. Kein Gewächshaus, keine Bewässerung, nur ein fruchtbarer, etwas sandiger Boden und ein sonniger Standort, schon fühlen sie sich wohl. Das Ergebnis: saftig-fruchtige Wassermelonen im kühlschranktauglichen Format mit feiner Süße.

Vielleicht liegt es aber auch am entspannten Umfeld. Leben und leben lassen – so könnte man die Philosophie des Betriebs bezeichnen, der seit 2011 biologisch arbeitet und Bioland-zertifiziert ist. Zwischen den Melonen wachsen Beikräuter, andere würden sagen: Unkraut, hier gibt es eine natürliche Vielfalt. Die bewirtschafteten Felder grenzen direkt an ein Naturschutzgebiet an.

Im ersten Jahr stellte sich das Team die Frage: Wann ist eine Melone eigentlich reif? Mittlerweile haben sie ein ganz klares Indiz ausgemacht: Wenn die nächstliegende Blattranke an der Melonenfrucht abstirbt, ist der perfekte Zeitpunkt gekommen.

Das Melonenfeld, das in diesem Jahr eine Ernte von 1,5 Tonnen gebracht hat, liegt zwischen Feldern von Wildkräutern, Artischocken, Porree, Fenchel, Salaten, Koriander. Rund 80 verschiedene Gemüse wachsen über das Jahr rund um den Hof. 

Biologisches Arbeiten ist immer auch ein Austausch der Kulturen

Vielfalt wird auch auf den Flächen gelebt. Ein Fruchtfolge-Tausch auf den Feldern beugt dem Einnisten von spezifischen Schädlingen wie z. B. der Kohlfliege vor. Man tauscht also regelmäßig Flächen oder lässt Felder auch zur Regeneration brach liegen und bricht diese dann nach Ruhephasen wieder auf, wodurch gleichzeitig auch wilde Beikräuter wieder wachsen.

Mit unserem Besuch geht die Wassermelonen-Saison zu Ende, die letzten Exemplare landen in den kommenden Tagen in Biomärkten in der Umgebung wie auch in Hamburg. Auch ein paar EDEKAs schätzen die tagesfrische Bio-Qualität. Und der Bio-Hof Koch bringt die Melonen frisch auf den Isemarkt nach Hamburg.

Als Dina die letzten Kisten gepackt hat, schiebt sie die Ernte für eine Nacht ins fast leere Kühlhaus. Nur drei Boxen Karotten stehen im Raum. „Ihr seht, da kommt noch einiges auf uns zu in den kommenden Wochen. Bald ist es hier mit Lagerware für die Wintermonate bis unters Dach gefüllt.“ 
Aber auch die Möhren werden nicht überwintern. Es handelt sich um „Mangelmöhren“, sie haben also alle einen kleinen Schönheitsfehler und sind dadurch schwer vermittelbar. Die inneren Werte werden zum Glück von einigen geschätzt, und so spendet der Hof Brummelkamp sie an soziale Einrichtungen und „Lebensmittelretter“. Die freuen sich dann über schmackhafte Eintöpfe. Einen Raum weiter liegt eine Vielzahl von Zwiebeln zum Trocknen. 
Zum Nachmittag packt das Team die Kisten für die nächste Auslieferung – ein Frische- und Farbspektakel mit grünen Bohnen, Sellerie, bunten Beten und leuchtendem Mangold. Und dann geht’s aufs nächste Feld, wo die Verwandtschaft schon wartet: leuchtende Kürbisse, die die Vorfreude auf den Herbst einläuten. Aber auch der Sommer wird uns in fruchtiger Erinnerung bleiben: Wir freuen uns auf die „Brummelonen“ im nächsten Jahr.