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Cassenshof – BIO mit Köpfchen

Die Lüneburger Heide punktet nicht mit höchster Bodenqualität, bietet dafür aber eine gute Heimat für Spargel. Denn der liebt es luftig und warm. Die sandigen Heideböden bieten ihm diesen Vorzug. Dann wächst er auch im Frühjahr schon recht schnell. Eigentlich. Wenn der Mai mehr zu bieten hätte als 5 Grad, wie an diesem Morgen, an dem wir den Cassenshof besucht haben. Immerhin ist es luftig, sogar stürmisch.

Die Geschwister Teresa-Marie Pelka und Friedrich Voß begrüßen uns kurz nach dem der erste Hahn auf dem Hof gekräht hat. Sie führen den Hof in der 14. Generation. Mit Erscheinen dieses Artikels wird auch ein neuer Sprössling der 15. Generation geboren sein. Daher herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs, liebe Teresa-Marie.

Der Blick auf die Familientradition war es auch, der die Familie Voß vor über 10 Jahren dazu bewogen hat ihren Hof, mit dem sie sich auf Spargel, Kartoffeln und Eier spezialisiert haben, auf Bio umzustellen.

Was das für Bio-Spargel heißt? Zunächst einmal keinerlei Behandlung der Felder mit Pestiziden, Herbiziden oder Fungiziden. Dies geschieht im konventionellen Anbau noch, bevor der Spargel überhaupt wächst, was auch bedeutet, dass die Spargelpflanzen die Substanzen aufnehmen und damit auch wir – beim Spargelessen.

Um beim Bioanbau das Unkraut auf den Dämmen zu entfernen, muss man in der Saision mehrfach über die Reihen gehen und es abschneiden.
Vor Pilzbefall kann man auch auf natürliche Art schützen, indem man die Erddämme mit größerem Abstand zueinander und in die Hauptwindrichtung des Gebiets anlegt, so kann der Wind die Pflanzen trocknen. Außerdem werden am Cassenshof auch die Spargelpflanzen selbst mit größerem Abstand zueinander gesetzt, eine weitere natürliche Schutzmaßnahme.
Selbst wenn eine Spargelpflanze metertiefe Wurzeln im Laufe seines ca. 10-jährigen Lebens bildet – auch nach der Saison ist Arbeit erforderlich. Zwischen den Feldern werden Grün- und Blühpflanzen angelegt – um der Erosion des Bodens vorzubeugen und wertvollen Humus zu bilden. Dieser Effekt bietet gleichzeitig Insekten einen großen Lebensraum und Bienen die Möglichkeit Nektar zu sammeln. Aus der Monokultur Spargel wird eine Permakultur. Neu angelegte Felder bringen übrigens erst im dritten Jahr eine Ernte. Doch bevor ein Feld aber wieder neu angelegt wird, lässt man es ruhen, um der Natur das Feld zu überlassen.

An einem Tag wie heute bekommt man ein Gefühl dafür, wie schlecht es um den Spargel bestellt wäre, würden die Landwirte nicht eine Menge Arbeit und Vorbereitung in den Anbau stecken. Denn bei diesem Wetter wächst der Spargel nur äußerst spärlich. Und so wird auch das Rätsel der Planen auf den Feldern für uns, und zum Ernten sowieso, gelüftet.

Weil jeder so früh wie möglich im Jahr seinen weißen Spargel genießen möchte, geht es ohne die Kunststofffolien nicht. Der Cassenshof hat aber sogar für deren Entsorgung eine nachhaltige Lösung gefunden. Nach ca. 10 Jahren – eine Folie kann ungefähr so lange benutzt werden, wie auch ein Spargelfeld geerntet werden kann – recycelt eine Firma diese zu Zaunpfählen. So kann sich jeder ein Stück Spargelgeschichte in den eigenen Vorgarten stechen.

Die Folien haben eine weiße und eine schwarze Seite. Ganz früh in der Saison werden die schwarzen Seiten zur Sonne ausgerichtet, um möglichst viel Wärme aufzunehmen und in die Dämme abzugeben. Dafür gibt es zusätzlich eine transparente Folie, die mit Luftzwischenraum über die erste Folie gezogen wird. So ergibt sich ein zusätzlicher Gewächshauseffekt. Der Spargel, der erst zum Ende der Saison, also dem 24. Juni, geerntet werden soll, bekommt die weiße Folie zur Sonne gerichtet. Der Wärmeabstrahleffekt ist hier am geringsten, es geht vor allem darum, dass der Spargel seine vornehme Blässe behält. Denn wenn man ihn unter freiem Himmel aus der Erde herauswachsen lässt, wird er – wie alle Pflanzen grün – Biologieunterricht, Photosynthese, Chlorophyll …
Das erklärt auch, warum grüner Spargel günstiger ist: Der Aufwand ist deutlich geringer, er braucht keine Erddämme und kein Folienmanagement. Chlorophyll ist übrigens auch das Geheimnis, warum man grünen Spargel nicht schälen muss. Der natürliche Farbstoff zersetzt die faserige Schale und macht sie weicher.

Die Ernte der Stangen ist so oder so Handarbeit. Auf den ersten Feldern müssen zunächst die Tunnel gelüftet werden – und dann die Folie. Für die einfachen Folienfelder nutzt der Cassenshof einen Spezialwagen, der durch einen Elektromotor angetrieben wird und so keine Schadstoffe in die Natur und Nasen des Ernteteams bläst.
Jeden Tag wird unter den Planen geschaut, wo ein kostbar köstliches Spargelköpfchen aus der Erde schaut. Dann wird es vorsichtig freigebuddelt und mit einem Spezialwerkzeug herausgestochen. Anschließend wird das Loch wieder zugebuddelt. Diese Prozedur wiederholt sich Meter für Meter, Reihe für Reihe, Tag für Tag.
Bei einer Wetterlage wie in diesem Mai findet sich von diesen Köpfchen gerade mal alle zwei Meter eines – eine mühsame, magere Ausbeute. Man bekommt ein Gefühl für den Wert des „weißen Gemüsegoldes“.

Die Stangen werden kistengerecht zugeschnitten und direkt in ein Wasserbad gelegt, damit keine Erde an den Stangen antrocknen kann. Die heute nicht gerade fette Beute wird dann zum Hof gebracht und in einer High-Tech-Maschine in Sekundenschnelle gescannt und nach Durchmesser in verschiedene Boxen manövriert. So können die Spargelstangen zu einheitlichen Bündeln verpackt werden und die Mitarbeiter vom Hof können ganz genau auswerten, wie ertragreich jedes einzelne Feld ist und wo sich ein Feld den Altersruhestand verdient hat.

„Kirschen rot, Spargel tot“, lautet ein altes Sprichwort. Würde man die Felder über den Zeitraum Juni hinaus beernten, hätten die Pflanzen keine ausreichende Regenerationsphase und würden im Folgejahr keinen guten Ertrag bringen.

Wenn also in wenigen Tagen der letzte Spargel gestochen ist, kehrt auf den Feldern etwas Ruhe ein, die Dämme werden für die kommende Saison gehegt und gepflegt – unter anderem mit dem natürlichen Dünger, für den die Legehühner des Cassenshof sorgen. Dann rückt statt des Liliengewächses eine Knolle ins Rampenlicht.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem Cassenshof entstanden.

KategorieEier Gemüse