E

Edelhof 1514 – den Geist Des Ortes bewahren

Wenn man als Hamburger an Äpfel denkt, kommt einem sofort das Alte Land in den Sinn. Streuobst gehörte früher zum Erscheinungsbild und Ökosystem landwirtschaftlicher Flächen. Heute sind Streuobstwiesen fast verschwunden.

Im südlichen Niedersachsen haben zwei Hamburger das alte Kulturgut Streuobst rund um ein historisches Anwesen wiederbelebt. Was für einen Naturschatz der alte Gutshof von 1514 beheimatet, der seit vier Generationen im Familienbesitz ist, realisierten die beiden, als Pomologen die Apfelbaumbestände rund um den Hof bestimmten. Zahlreiche historische Sorten wachsen dort vor der Haustür, umgeben von Naturschutzgebiet und einem ganz eigenständigen Terroir – einer Gipskarstlandschaft an den Ausläufern des nördlichsten Mittelgebirges. Der exponierten Lage südlich von Goslar sind die Streuobstwiesen zu verdanken, denn des Kaisers neue Bergarbeiter brauchten Vitamine. Daher wurden die Streuobstwiesen schon vor Jahrhunderten am Rande des Harzes kultiviert. Und so war der „Schöne von Nordhausen“ auch der erste Apfel, mit dem Heikes und Christophs Herzen fürs Brennen Feuer fingen.

Bei aller Begeisterung stellte sich die Frage, was macht man mit reicher Ernte im Herbst, wie konserviert man die Natur? Schnell entstand eine Schnapsidee, die bei den beiden Slow-Food-Mitgliedern natürlich auf höchster Qualitätsstufe entbrannte. Die Idee geistiger Genüsse war geboren. Daraus wurde in wenigen Jahren die Marke Edelhof 1514 mit den meisten sortenreinen Apfelbränden weltweit.

Natürliche Vielfalt

Schöner von Nordhausen, Adersleber Kalvill, Berner Rosenapfel, Horneburger Pfannkuchen, Kaiser Wilhelm, Laxtons Superb, Goldparmäne, Köstliche von Charneau – so klangvoll wie die Namen, so gehaltvoll die Aromen, die beim Brennen konzentriert werden.

Doch bevor es im Herbst die Früchte zu ernten und genießen gibt, stellte sich die Frage nach der Arbeitsweise. Zunächst aus pragmatischen Gründen, mittlerweile aus voller Überzeugung bewirtschaften Heike und Christoph Siegert ihren Edelhof im Einklang mit der Natur. Das natürliche Ökosystem wird aufrechterhalten, Kreisläufe im Sinne einer Permakultur berücksichtigt. Die Äste der im Winter beschnittenen Bäume werden zu Benjeshecken gestapelt, um Nützlingen und anderen Lebewesen ein Reservat zu geben. Mehr Bio geht nicht.

„Die absolute Natürlichkeit hat für die Reinheit des Endprodukts auch nur Vorteile“, erzählt Christoph beim Spaziergang über die umliegenden Wiesen. Die Unterschiede, die man beim Essen eines Apfels schmeckt, bringen sie beim Brennen auch in die Flasche. Heikes Liebling ist der Laxtons Superb: „Der hat ein blumiges Aroma, ist weich und ein absoluter Gaumenschmeichler.“ Christoph ergänzt: „Der überrascht dich, der schmeckt nicht, wie du denkst, dass Apfel schmeckt, da kommt eine Spur fruchtige Mandarine zum Vorschein. Das Aromenspektrum, das wir beim Brennen rauskitzeln, ist immer wieder faszinierend.“ Die Aromastoffe stecken alle unter der Schale, daher werden die Äpfel auch mit Schale eingemaischt, bevor sie gebrannt werden.

Auch die Fasslagerung haben sie für sich entdeckt. Der Einsatz unterschiedlicher Holzarten und Belegungen gibt dabei einen weiteren Spielraum, um auf natürliche Art die Aromenvielfalt zu vergrößern und den einzelnen Sorten passend zu ihrem Charakter eine Prononcierung zu verleihen.

„Die Natur macht die Planung.“

Heike Siegert, Edelhof 1514.

Die Liebe zur Natur lässt Heike und Christoph immer wieder kreativ werden. Auch das Wildobst, das rund um die Streuobstwiesen herum wächst, hat sie über die Jahre inspiriert. Und so beweisen sie immer wieder ein gutes Näschen und destillieren die Aromen der Natur – von Holunderbeere über Schlehe bis Lindenblüte. Sogar dem am Haus wachsenden Liebstöckel haben sie neuen „Geist“ eingehaucht: als Amaro. Der Lauf der Natur und die regelmäßigen Aufenthalte in der Region sind für Heike immer mit Genussmomenten verbunden. Und so stellt sie immer auch Köstlichkeiten in Kleinstauflage her. Im Frühjahr aus Bärlauch, im Sommer kocht sie Gelees. Naheliegend natürlich auch Honig, schließlich wollen die unzähligen Blüten auch bestäubt werden. Wie fleißig die Bienen in diesem Frühling waren, können wir jetzt am Honig ablesen und an der neuen Ernte, die dieser Tage beginnt.