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Frisch Gefischt – Raus aus den Fängen der Industrie

Wir haben die Nord- und Ostsee direkt vor der Tür. Aber der Fisch kommt nicht direkt bei uns an. Wie kann das sein? Das fragten sich auch Lars und Andreas aus Hamburg. Man sitzt hier an der Elbe doch quasi an der Quelle. Die Fischauktionshalle unweit der Landungsbrücken, die selbst nur mehr Eventhalle ist, bringt das Dilemma zum Ausdruck. Denn Fische werden nach dem Fang ins Ausland zur Auktion gebracht. Das ist aber nur die Spitze des schmelzenden Eisbergs, wie Lars und Andreas herausfanden. Und so gründeten Sie Frisch Gefischt.

Nicht nur der Frische-Aspekt bewog die beiden zum Handeln. Die frisch gefangenen Fische verlieren Tage, bis sie in Restaurants oder zu Hause auf den Tellern landen. Noch dazu sehen auch die kleinen Küstenfischer alt aus, wenn die großen Trawler ihnen alles wegfangen, vom Erwachsenen Fisch bis zum Nachwuchs. Wie soll da eine gesunde Population heranwachsen? Noch dazu in einem zerwühlten Meer. Der große Zuspruch, den die beiden in kurzer Zeit erfuhren, bewog sie schnell ihr ganzes Augenmerk auf die anfängliche Nebentätigkeit zu legen. Jetzt haben Sie ihre Netze in Vollzeit ausgeworfen und knüpfen ein Netzwerk. Die Idee kommt an. Immer mehr Gastronomen schätzen die Tagesfrische und natürlich auch den nachhaltigen Grundgedanken. 

Im Gespräch auf Fehmarn, bei einem Treffen mit den dort ansässigen Fischern, erzählen sie uns, wo der Fisch gerade stinkt und was man in den Köpfen und Strukturen ändern muss.
Keine Umwege zu machen, also kurze Transportwege, weniger Kühlenergie zu verschwenden und ein direkter Vertrieb ist ein Ziel. Sie nehmen aber auch Kurs auf, um neues und altes Land zu erobern: das Fischereihandwerk und die Digitalisierung zusammenzuführen.
Die hochwertigen deutschen Fische, aus schonender Küstenfischerei, die nur einen kleinen – wohl aber feinen – Prozentsatz ausmachen, gehen auf den großen Auktionen unter und finden nicht die verdiente Aufmerksamkeit. Und dieser Verdienst kommt somit auch nicht in Form von verdientem Lohn bei den Fischern an.

„Wir wollten zu keinem Zeitpunkt nur Fischhändler sein. Ganz im Gegenteil, eher Advokat der Meere und der Fischer!“

Lars Bäumer, Gründer von Frisch Gefischt

Sie wollen Leuchtturm sein. 

Für heimischen Fisch und regionale Krustentiere, für nachhaltigen Fang und schonende Fangmethoden und für die Fischer natürlich. Denn die Küstenfischer, die zu zweit nachts rausfahren, um tagesfrisch einen kleinen Fang einzuholen arbeiten nachhaltig mit Stellnetzen oder Langleine. Sie achten Schonzeiten, machen kaum Beifang, zerstören weder Population noch Meeresboden. Aber auch der Bestand ihrer Zunft wird immer kleiner. Hier auf Fehmarn gibt es gerade mal noch acht von ihnen. Aber nicht nur die wirtschaftlichen Umstände machen es ihnen schwer. Sie spüren auch den Klimawandel, die Erwärmung der Meere. Der Fang heute, äußerst bescheiden. Ein Dorsch und ein paar Steinbutt – das war‘s. Keine Makrelen, wie viele Einheimische nachfragen, als sie anlegen. Die Fische halten sich weiter nördlich in kühleren Gefilden auf. Trotzdem kommen sie gut gelaunt morgens um 8 in den Hafen, den sie nachts um 1 Uhr verlassen haben. Das neue Miteinander ist es, was beiden Seiten Freude und Hoffnung macht.

So wie Dirk und Marco, den Fischern auf der Bur 15, haben Andreas und Lars von Frisch Gefischt mittlerweile viele Gleichgesinnte gefunden und viele Alternativen gefunden. Hummer aus Helgoland, Garnelen und Muscheln aus der Kieler Förde und Fischarten, die schon fast in Vergessenheit geraten sind. Nach den Sommerferien gehen sie auch auf den Schanzenmarkt – die Rote Flora ein schönes Sinnbild für Aufstand und Widerstand – es wird ein Ort, an dem jeder Fisch neu entdecken kann.
Nicht nur in Sachen Frische!

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Frisch Gefischt entstanden.

KategorieFisch