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Haidehof – Landwirtschaft ist die Lösung

Auf dem Gut Haidehof hat sich ein internationales Team junger Menschen zusammengefunden, um natürliche und gesunde Lebensmittel zu produzieren – und um zu zeigen, dass Landwirtschaft zur Lösung unserer globalen Probleme beitragen kann.

„Landwirtschaft muss wieder als Teil der Lösung begriffen werden“, meint Hannes, während er den Blick über den Gemüsegarten schweifen lässt. „Ich finde, es gibt eine sehr schöne Analogie: Wenn ein Gastwirt sich um das leibliche Wohl des Gastes kümmert, dann sollte sich der Landwirt um das leibliche Wohl des Landes kümmern. Und wenn wir das gut machen und unsere natürlichen Ressourcen in einer ganzheitlichen Betrachtung bewirtschaften, dann liegen ganz viele Potenziale zur Lösung globaler Probleme in der Landnutzung.“
Ein Teil der Lösung – das will auch das Gut Haidehof sein, ein kleiner diversifizierter landwirtschaftlicher Betrieb im schleswig-holsteinischen Wedel. Ein Kernteam von fünf Leuten und ein ganzer Schwarm von Helfern produzieren hier vor den Toren Hamburgs Lebensmittel und vermarkten sie ab Hof. Ihr Anspruch dabei: regenerativ wirtschaften. Vielen in der Hamburger Food-Szene ist der Name Gut Haidehof bereits ein Begriff. Er steht für Frische, Qualität und Zukunft. Dabei wird das Gut in dieser speziellen Form erst seit zwei Jahren betrieben. „2019 hat sich dieses kleine internationale Team hier zusammengefunden, um die ursprüngliche Produktion von Nahrungsmitteln wieder aufzunehmen“, erzählt uns Hannes bei einem Kaffee auf dem Hof. „Alles fing mit Astrid, Alba und Stephan an. Letztes Jahr sind Bork und ich noch dazugekommen, so dass wir jetzt zu fünft die strategische landwirtschaftliche Entwicklung hier machen – in enger Abstimmung mit den Eigentümerfamilien, von denen wir den Hof pachten und auch in gemeinsamer Kooperation die Zukunft des Haidehofs gestalten.“

Einfluss auf Boden, Wasser und Luft

Eine klassische landwirtschaftliche Ausbildung hat niemand aus dem Team. Sie alle sind Autodidakten und Quereinsteiger wie Hannes, der eigentlich Wirtschaftsingenieur für Umwelttechnik ist. Lange Zeit beschäftigte er sich mit Wasserwirtschaft und begriff, wie eng Wasserqualität und Landnutzung zusammenhängen. „Landwirtschaft hat einen enormen Einfluss auf viele unserer Gemeingüter – also Boden, Wasser, Luft. Und die Qualität hängt ganz stark an unserer Bewirtschaftungsform.“ In Zeiten, in denen wir alle uns unserer bewusst werden, scheint es wichtiger als jemals zuvor, die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, zu überdenken. In Deutschland sind aber nur noch knapp 2 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. „Und ich finde es auch schwierig, wenn 98 Prozent der Bevölkerung eine Idee davon haben, was richtig ist, und den wenigen Landwirten sagen, wie das zu gehen hat. Also dachte ich, ich muss mich selber damit beschäftigen.“

Und wie er sich damit beschäftigt hat! Hannes Leidenschaft für die regenerative Landwirtschaft spürt man im Gespräch mit ihm und im liebevollen Umgang mit den Rindern und Hühnern des Hofes sofort. Tierhaltung ist auf dem Gut Haidehof vollmobil. Das bedeutet, die Rinder werden während der Wachstumssaison dreimal pro Tag bewegt. Sprich, sie werden von einem Teil der Weide in den nächsten Bereich getrieben. Die Hühner werden ein bis zwei Tage später – inklusive Stall – auf den Teil der Weide umgezogen, wo vorher die Rinder standen. „Das ist ziemlich wichtig“, erklärt uns Hannes. „Denn eigentlich folgen wir damit dem wesensgemäßen Charakter des Tieres. Das Tier hat ja Beine aus einem verdammt guten Grund – nämlich, um sich zu bewegen. Außerdem sehen wir dann mal, was so ein Huhn eigentlich macht. Ein Huhn ist ja nicht einfach nur eine Eierproduktionsmaschine. Hühner sind auch verdammt effektive Vertikutierer. Den ganzen Tag laufen sie durch die Gegend, scharren, picken, staubbaden.“ Richtig eingesetzt seien das alles natürliche Verhaltensweisen, die einen positiven Effekt auf den Boden haben.

Gut Haidehof beliefert Hamburger Spitzenrestaurants

Das Team von Gut Haidehof wünscht sich, dass sie mit ihrem Konzept der regenerativen Agrarkultur einen Beitrag dazu leisten können, dass Landwirtschaft nicht nur als Problemverursacher, sondern als Problemlöser begriffen wird. Dazu gehören die Steigerung der Biodiversität, aber auch der Bodenaufbau samt Kohlenstoffspeicherung und damit Maßnahmen gegen die Klimakrise. Wichtig ist für sie aber auch, Lebensmittel zu produzieren, die gesund und nährstoffreich sind. An Fleisch, Eier und Gemüse vom Gut Haidehof kommt man als normaler Verbraucher über Abos oder den Hofladen. Darüber hinaus beliefert der Hof aber auch Hamburger Spitzenrestaurants wie das hæbel und die XO Seafoodbar, die die frische Qualität und Handarbeit am Produkt schätzen. „Wir können durch die Nähe zur Stadt auch mit Sorten arbeiten, die nicht auf Lager- oder Transportfähigkeit gezüchtet werden, sondern auf Geschmack. Unsere Produkte sind bereits fünf Stunden nach der Ernte beim Gastronomen. Das ermöglicht ihm dann, mit einer ganz anderen Frische zu arbeiten als mit Produkten vom Großmarkt“, so Hannes. Auch sei der Austausch zwischen Produzenten und Konsumenten wichtig, um wieder Verständnis dafür zu schaffen, wie natürliche Systeme funktionieren.

Felder, Wegränder und Stadtparks neu denken

Hannes glaubt daran, dass sich die Dinge wieder zum Positiven wandeln können. Er spürt, dass sich Menschen wieder zur Natur hinbewegen, sieht all die kleinen Projekte, die etwas anstoßen und ändern. Ein Glaube, der inspiriert und motiviert. Das Gut Haidehof und seine Menschen zeigen: Jeder, der etwas ändern will, kann das auch. „Es gibt so viele Wissensquellen, wo man die meisten der Konzepte, die wir hier umsetzen, theoretisch durchdringen kann. Das ersetzt aber am Ende nicht das Ins-Schaffen-kommen und das Anfangen. Im Großen und Ganzen muss man jetzt einfach machen. Wir müssen raus, wir müssen unsere Felder, Wegränder und vielleicht auch Stadtparks neu denken und neu bepflanzen und uns wieder als Teil der Natur verstehen.“ Denn so wird Landwirtschaft zur Lösung.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem Gut Haidehof entstanden.